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Gender Budgeting als Instrument des Gender Mainstreamings

Bericht über die Tagung "Dem Ziel näher kommen! Gender Budgeting in NRW" der Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Landtag NRW am 18.02.2005 von 10 bis 18 Uhr in Düsseldorf

Die Beiträge und Berichte über Pilotprojekte zum Gender Budgeting haben gezeigt, dass das Instrument in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt. Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen Marianne Hürten zeigte in ihrer Einführung, wie eine Gender Budgeting-Analyse zu differenzierten Analysen führt. Am Beispiel der Kosten für die Gesundheit zeigte sie, dass Studien unter Berücksichtigung von indirekten Gründen (z.B. unbezahlte Arbeit, unentgeltliche Pflege) und einer feineren Altersstruktur in der Analyse zu dem Ergebnis kommen, dass Frauen nicht in jeder Altersgruppe mehr Kosten verursachen als Männer. Barbara Steffens, Mitglied des Fraktionsvorstands der Grünen im Landtag NRW, berichtete von den Widerständen im Parlament, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Dass sich Abgeordnete, Ministerinnen und Minister sowie Mitarbeitende der zugehörigen Verwaltung mit dem Komplex Geld und Geschlecht auseinandersetzten sollten, zeigte Dr. Gabriele Michalitsch (Wirtschaftsuniversität Wien und Vorsitzende der Gender Budgeting-Arbeitsgruppe im Europarat) in ihrem Vortrag "Kein Haushalt ist geschlechtsneutral!" auf. An Beispielen erläuterte sie, dass Budget und Staat eine Einheit bilden, da durch Geld Politik gemacht wird. Dies zeige sich am deutlichsten im Steuerrecht am deutschen Ehegattensplitting, das das Alleinverdienermodell fördere. Gender Budgeting bedeute die Prüfung und Restrukturierung von Einnahmen und Ausgaben, die Anwendung von Gender Mainstreaming und zwar im ganzen Prozess und in allen Politikfeldern. Als Ziele von Gender Budgeting nannte Michalitsch die Gleichstellung im Bereich Finanzen und Wirtschaft, Demokratisierung durch Finanzen, die Spezifizierung und Kontrollierbarkeit von Gender Mainstreaming sowie die erhöhte Treffsicherheit und Umsetzung von politischen Massnahmen. Die Analyse der budgetären Effekte auf die Erwerbsbeteiligung, Versorgungsökonomie, Zeitverwendung und Bedürfnisgerechtigkeit zeige dabei auf, wo die Festigung von Rollenstereotypen gefördert wird. Dabei ist bei der Untersuchung zum einen wichtig, nicht nur nach Männern und Frauen aufzuschlüsseln, sondern differenzierte Kategorien nach Bedürfnissgruppen zu bilden sowie zum anderen für brauchbare Ergebnisse neben den quantitativen auch qualitative Aspekte einzubeziehen.

Über den "Stand des Gender Budgeting-Prozesses in Berlin" berichtete Dr. Regina Frey, Mitglied der Gender Budgeting-Initiative Berlin. Die Initiative hat im Mai 2001 mit einer Auftakttagung auf das Thema aufmerksam gemacht. Ein Jahr später wurden Gender Mainstreaming und Gender Budgeting durch die neu gewählte Regierung implementiert und durch politische Beschlüsse flankiert. Koordiniert wird der Prozess mit den 25 Pilotprojekten durch die Geschäftsstelle Gender Mainstreaming (http://www.berlin.de/gendermainstreaming), die Landeskommission und die Bezirkliche Steuerung. Nach einer 11/2jährigen Pilotphase ging Gender Budgeting im Herbst 2004 in die Hauptphase mit dem Ziel der flächendeckenden Umsetzung. In der Pilotphase wurden in den Bereichen Bildung, Sport, Kinder- und Jugendarbeit, Hilfsangebote im sozialen Bereich Nutzenanalysen durchgeführt. Die erhobenen Zahlen haben Fragen zu den Budgets der Pilotbereiche in den teilnehmenden Berliner Bezirken aufgeworfen. Als erste Zwischenbilanz formulierte Frey Folgendes:

Arbeitspunkte für die Zukunft sind die Erweiterung der Bereiche für Gender Budgeting (soziale Bereiche gelten als besonders geschlechtersensibel, bei Bereichen wie Verkehr und Sicherheit wird eine Geschlechterrelevanz meist nicht angenommen), die Erhebung und das Einbeziehen von unbezahlter Arbeit, die Einführung von Methoden, die über die Nutzenanalyse hinausgehen sowie die Beantwortung der Frage: Wie kann eine Verwaltung mit der Komplexität des Themas umgehen?

Vorschläge für Indikatoren, die das Leben von Männern und Frauen genauer abbilden, machte Johanna Zebisch (Sozialwissenschaftliches Institut München) in ihrem Beitrag "Zur Bemessung von Geschlechtergerechtigkeit bedarf es Indikatoren". Bei Indikatoren handelt es sich um statistische Masszahlen, die die gesellschaftliche Realität abbilden, Vergleiche ermöglichen und unerwünschte Entwicklungen aufzeichnen. Die Zusammenfassung und Gewichtung von Indikatoren bilden einen Index (z.B. Aktienindex). Im internationalen Kontext sind bereits Indices entwickelt worden, die den Aspekt Geschlecht berücksichtigen - es sind dies der Gender-Related Development Index und der Gender Empowerment Index. Als Beispiele für Indikatoren, die die Wirklichkeit komplexer abbilden würden, nannte Zebisch aus dem Bereich Bildungs- und Beschäftigungsunterschiede

Ausserdem plädierte Zebisch für ein leistungsorieniertes Gender Budgeting, bei dem nach einer gewissen Zeit das Verhältnis von Ertrag und Investition an Hand der Effizienz (Verhältnis von Input und Output) und der Effektivität (Zielerreichung unter Verwendung von Mitteln) geprüft wird.

Im Folgenden werden die Ergebnisse der drei Arbeitsgruppen kurz zusammengefasst.
Die Arbeitsgruppe 1:
"Mehr Transparenz, mehr Demokratie-Beteiligung von BürgerInnen in der Haushaltspolitik. Chancen und Grenzen der politischen Zusammenarbeit von Gender Budget-Initiativen und Bürgerhaushaltsinitiativen"
berichtete aus ihrer Diskussion:

Die Arbeitsgruppe 2
"Organisationsschritte für Gender Budgeting auf der politischen Ebene.
Welche Voraussetzungen, Schritte, Bündnisse etc. braucht es, um auf kommunaler Ebene eine Gender Budgeting-Initiative zu starten und erfolgreich zum Ziel zu führen? Welche Problemstellungen und Gefahren sind damit verbunden?"

fasste ihre Arbeitsergebnisse wie folgt zusammen:

Die Arbeitsgruppe 3
"Pilotprojekte für eine Gender Budgeting-Analyse. Ist es notwendig, den gesamten Haushalt zu gendern oder sinnvoller, einzelne Pilotprojekte zu bestimmen? Welche Kriterien empfehlen sich zur Auswahl von Pilotprojekten?"
erarbeitete diese Punkte:

Literaturhinweise und Links

Birgit Erbe: Kommunale Haushaltsplanung für Frauen und Männer. Gender Budgeting in der Praxis - Konzepte, Erfahrungen, Perspektiven. Eine Untersuchung im Auftrag der Gleichstellungsstelle für Frauen der Landeshauptstadt München. http://www.muenchen.de/Rathaus/dir/frauengleichst/publik/115511/publikationen.html

NRW: Bericht der Landesregierung einschliesslich einer Darstellung einer Entscheidungsgrundlage über die modellhafte Erprobung des Konzepts zur nach Geschlechtern differenzierenden Analyse, Bewertung und Folgenabschätzung von Haushaltsentscheidungen (Gender Budgeting), Vorlage 13/3014, Gender Politik, Button: Aktivitäten im Landtag auf: http://www.marianne-huerten.de

Berichte über Gender Mainstreaming in Berlin: http://www.berlin.de/SenWiArbFrau/frauen/gender_gs/berichte.htm

Ergebnisse des Pilotprojekts zur Analyse der Auswirkungen haushaltspolitischer Entscheidungen auf die Lebensumstände der Kölnerinnen und Kölner. Gender Audit der Unterabschnitte des Produkthaushalts 3500/3501 Volkshochschule und 3520 StadtBibliothek, http://www.koelnagenda.de/docs/genderbudget.pdf

Ulrike Schultz (Kontakt: Ulrike.Schultz@fernuni-hagen.de)